Jens Harry Detzer, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungskolleg Franken

Kontakt

Jens Harry Detzer, M.A.
Forschungskolleg Franken
am Institut für Fränkische Landesgeschichte
Marktplatz 1
95349 Thurnau
Telefon: +49 (0) 9228 99605-40
E-Mail: jens.detzer@uni-bayreuth.de

Jens Harry Detzer, M.A.

Promotionsprojekt

in der Fränkischen Landesgeschichte
Betreuer: Prof. Dr. Martin Ott

Arbeitstitel: Verein und Konferenz. Die Zusammenarbeit der süddeutschen Standesherren (1806-1918)

Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt erlebt die Adelsforschung einen wahren Aufschwung. Zahlreiche Monographien und Sammelbände belegen diesen Trend. Dabei zeigt sich jedoch, dass noch immer keine systematische Aufarbeitung der vielfältigen Adelserscheinungen möglich ist. Die Forschungsarbeiten orientieren sich meist an biographischen Daten einer herausragenden Persönlichkeit, oder zeichnen den Weg eines Hauses durch die Geschichte nach. Eine Ausnahme bildet das bis heute gültige Standartwerk über die Standesherren von Heinz Gollwitzer. Der prosopographische Ansatz, also die Untersuchung des Adels als Gruppe, scheitert oft am Fehlen einer gemeinsamen Klammer. Was verbindet eine katholische, eher nach Österreich orientierte hochadelige Familie aus dem südlichen Baden mit einer protestantischen, preußenfreundlichen Familie aus Oberfranken? Der Verein der deutschen Standesherren und die standesherrlichen Beamtenkonferenzen könnten eine solche Klammer sein, um die deutschen Standesherren als Gruppe näher zu untersuchen.

Als “deutsche Standesherren” wurde derjenige Adel bezeichnet, der während den Napoleonischen Kriegen seiner Landeshoheit beraubt und von seinen Nachbarn einverleibt wurde. Um in diese neugeschaffene Kategorie zu fallen, musste neben der vormaligen Reichsunmittelbarkeit auch die Vertretung am ehemaligen Reichstag in Regensburg nachgewiesen werden. Darunter waren viele prominente Namen, wie das Haus Hohenlohe, Fürstenberg oder Schönborn. Der Wiener Kongress sicherte ihnen zahlreiche Vorrechte zu, die durch einzelstaatliche Verfassungen festgeschrieben wurden. Als aber mit der Revolution von 1848/49 einige Privilegien verloren gingen, wuchs der Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit, um die verbliebende Vorzugsstellung zu verteidigen. Es ist daher kein Zufall, dass die Gründung des Vereins (1863) in die Zeit des preußisch-österreichischen Dualismus fiel. Die Konferenz der standesherrlichen Beamten in Bayern ist sogar etwas älter (1861). Kurze Zeit später wurden die Konferenzen auch in anderen Bundesgliedern gegründet.

Dieses Umdenken im Hinblick auf eine engere Zusammenarbeit findet vor dem Hintergrund eines Transformationsprozesses statt, der das gesamte 19. Jahrhundert durchzieht. Die einstige „Ständegesellschaft“ weicht einer zunehmend arbeitsteiligen, dem Leistungsprinzip unterworfenen „Klassengesellschaft“. Der Adel – und insbesondere die Standesherren – verlieren mit dem Wiener Kongress die Grundlagen ihres althergebrachten Auskommens und sehen sich einem stärker werdenden Legitimierungs- und Modernisierungsdruck ausgesetzt, der schließlich zu einem Funktionswandel in der Gesellschaft führt. Dabei versuchen sie einerseits ihre Identität in einer sich ändernden Gesellschaft zu bewahren und andererseits den Ansprüchen der Moderne zu genügen.

Die Themenfelder des Vereins und der Konferenz bilden deshalb ein beachtliches Spektrum ab.
Im Sinne des französischen Soziologen Bourdieus können den Standesherren verschiedene Kapitalformen zugeschrieben werden. Neben der politischen Dimension finden sich soziale, ökonomische und kulturelle Aspekte. Zusammen ergeben die Themen ein umfassendes Bild standesherrlichen Lebens, vom Kirchengebet über hausgesetzliche Schiedsgerichte bis hin zur Vermeidung von Steuern und Zöllen. Neben dem Aufbau des Vereins und die Struktur der Konferenz sollen auch Fragen nach der Effizienz und der Vernetzung behandelt werden. Durch die Auswertung sollen auch die grundsätzlichen Fragen beantwortet werden, wie es dem mediatisierten Hochadel bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gelang “oben zu bleiben” und welche Anpassungsleistungen er dabei vollbringen musste.

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

  • Deutscher Bund und Deutsches Kaiserreich
  • Bayerische und Fränkische Landesgeschichte
  • Standesherren und Adelsgeschichte
  • Sozial- und Kulturgeschichte
  • Industrialisierung und Wirtschaftsgeschichte
  • Rechtsgeschichte
  • Archivwesen

Vita

seit 2018Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungskolleg Franken am Institut für Fränkische Landesgeschichte (Universität Bayreuth/Universität Bamberg)
2016–2017Nebenberuflicher wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitätsarchiv Würzburg bei Dr. Marcus Holtz
2014–2017Master Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit Schwerpunkt auf die Fränkische Landesgeschichte sowie der Adels- und Wirtschaftsgeschichte im 19. Jahrhundert
2010–2014Zwei-Hauptfach Bachelor Geschichte/ Europäische Ethnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit Schwerpunkt auf der Bayerischen Landesgeschichte und den Deutschen Bund

Publikationen

  • Faber und Castell – eine passende Verbindung? Das Problem von unebenbürtiger Heirat und die Zulassung standesherrlicher Schiedsgerichte am Beispiel der Gerichtsprozesse zwischen Wolfgang Graf zu Castell-Rüdenhausen und den Häuptern beider Linien zu Castell, Hamburg 2018