Claudia Maria Knispel, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungskolleg Franken

Kontakt

Claudia Maria Knispel, M.A.
Forschungskolleg Franken
am Institut für Fränkische Landesgeschichte
Marktplatz 1
95349 Thurnau
Telefon: +49 (0) 9228 99605-41
E-Mail: claudia.knispel@uni-bayreuth.de

Claudia Maria Knispel

Promotionsprojekt

in der Theaterwissenschaft/Musiktheater
Betreuer: Prof. Dr. Anno Mungen, Universität Bayreuth

Arbeitstitel: Vom Krieg zum Frieden im Umfeld der Bayreuther Festspiele. Die Tagebücher Gertrud Strobels – Edition und Interpretation

Die Bayreuther Archivarin und Wagnerforscherin Gertrud Strobel war über 40 Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft der Familie Wagner tätig. Zunächst unterstützte sie ihren Mann Otto Strobel, der 1932 durch Winifred Wagner zum Verwalter des Familienarchivs ernannt worden war, bei dessen Tätigkeiten. Nach seinem Tod 1953 übernahm sie schließlich bis 1973 alleinverantwortlich die Verwaltung des Archivs. Wie die Mitglieder der Familie Wagner waren auch Gertrud und Otto Strobel überzeugte Nationalsozialist*innen. Sie betrieben intensive Abstammungs- und Rasseforschungen im Kontext der Wagnerschen Familiengeschichte.

Nur vier Monate nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, exakt mit dem 1. Januar 1940, begann Gertrud Strobel ihre detaillierten Tagebuchaufzeichnungen, die sie kontinuierlich bis zum Januar 1953 fortsetzte. Die Tagebücher geben nicht nur Auskunft über die Autorin und ihr Umfeld sowie über die verschiedenen Mitglieder der Familie Wagner und die Bayreuther Festspiele mit allen Akteur*innen, sondern auch über Adolf Hitler, die Bayreuther Lokal- und Alltagsgeschichte sowie schließlich über den Krieg und den Neubeginn nach dem Nationalsozialismus in Franken. Die Tagebücher Gertrud Strobels lassen sich somit als eine spezielle Art der Narration vom Strukturwandel in Franken verstehen.

Das Forschungsprojekt untersucht den Strukturwandel in den Bereichen des kulturellen Lebens und der Alltagsgeschichte und geht der Frage nach, wie sich Kulturbetrieb und Alltagsleben im Zeichen des Krieges und dann unter dem Einfluss der Besatzungsmacht USA in den Gründungsjahren der Bundesrepublik Deutschland veränderten. Mit Blick auf die Bayreuther Festspiele ist konkret zu fragen, wie sich die politischen und ökonomischen Ursachen des Strukturwandels in den Tagebüchern Gertrud Strobels spiegeln – vom staatlich seit 1933 durch die Nationalsozialisten finanzierten Familienunternehmen über die Gründung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth 1949, die erfolgreich Spenden zur Durchführung der Festspiele einwarb, bis hin zur Neugründung der Festspiele durch Wieland und Wolfgang Wagner mit der Wiederaufnahme des Festspielbetriebs am 30. Juli 1951. Äußert Gertrud Strobel Gedanken zur Trennung von Werk und Person Wagners bzw. zur Trennung von Werk einerseits und dessen politischer Instrumentalisierung durch Hitler und die Nationalsozialisten andererseits als kulturpolitisches Konstrukt zur Legitimierung der Wiederaufnahme des Spielbetriebs?

Hitler besuchte 1940 letztmalig die Festspiele. Auf seine Anordnung fanden nun die sogenannten „Kriegsfestspiele“ statt. Die letzte Vorstellung wurde am 9. August 1944 gegeben. Wie berichtet Gertrud Strobel über diese Jahre? Reichte die Zeit der Vakanz – von 1945 bis 1950 fanden keine Festspiele statt – den Menschen aus, um den Strukturwandel auch mental und emotional mitzuvollziehen oder fühlten sich einige der Akteurinnen und Akteure möglicherweise verunsichert oder gar verängstigt? Wie reagierten die Strobels in Folge der Entnazifizierung – waren sie beschämt oder zeigten sie sich uneinsichtig, wie Winifred Wagner? Wie positionierte sich Gertrud Strobel bezogen auf die Haltung der US-Besatzungsmacht gegenüber den Deutschen unmittelbar nach dem Krieg im Zuge der „Inhaftungnahme“ aller Deutschen? Wie wurden die Neuorientierungen oder Veränderungen in der Kulturpolitik wahrgenommen und reflektiert? Wie reagierte man im Haus Wahnfried und in der Stadt Bayreuth auf die Nutzung des Festspielhauses durch die US-Truppen? Unter diesen historischen Perspektiven ist auch zu fragen, inwieweit die These, dass Strukturen einem permanenten gesellschaftlichen Aushandlungsprozess unterliegen, dem konkreten Fall – dem Strukturwandel auf dem „Grünen Hügel“ – gerecht wird.

Weitere Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

  • Musiktheater/Operngeschichte
  • Vokalmusik (Geschichte, historische Aufführungspraxis, Gesangspädagogik)
  • Sprache und Musik
  • Musikgeschichte, Musikgeschichtsschreibung, Lokalgeschichte
  • Musik des 18. Jahrhunderts
  • Beziehungen zwischen den Künsten

Vita

seit 2020Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungskolleg Franken am Institut für Fränkische Landesgeschichte (Universität Bayreuth/Universität Bamberg)
1998-2016Lehrbeauftragte an der Universität der Künste Berlin (2009-2012 dort wissenschaftliche Mitarbeiterin)
1993-1997Studium – Musikwissenschaft und Gesang an der Universität der Künste Berlin (1993-1995 Förderung durch das NafoG-Stipendium, Berlin)
seit 1992freiberufliche Tätigkeiten als Lektorin, Sachbuchautorin, Museumskuratorin, Gesangslehrerin und Organistin in München, Wien, Berlin
1985-1991Studium – Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Musikpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Thema der Magisterarbeit: Die Lieder op. 10 von Richard Strauss)

Publikationen

Liste der Publikationen